Vergesellschaftung

Unser Leopold war allein. Wir haben ihn zusammen mit einer süßen kleinen Kätzin bekommen, mit der er sich aber schon nach kürzester Zeit überhaupt nicht mehr verstand. Zudem war die kleine Maus eine, die es mehr als alles andere nach draußen gezogen hat. Damals wohnten wir allerdings noch auf unbestimmte Zeit in einer Wohnung, die weder einen Balkon noch einen Zugang zur Straße bot. Wir KONNTEN die Katzen dort einfach nicht raus lassen. Also wurde schnell klar: Die Kleine würde bei uns nicht glücklich werden. Leopold mit ihr auch nicht. Und somit wir alle zusammen nicht. Da Poldi kein großes Interesse daran zeigte, nach draußen zu gelangen, sollte er bei uns bleiben (zumal die kleine Kätzin bildhübsch und kerngesund war; wir wussten also, sie würde schnell wieder ein Zuhause finden… Leopold indessen mit seinem blinden Auge war noch nie von Interessenten beachtet worden).

Aber wir arbeiten beide den ganzen Tag! Eine Katze bzw. ein Kater allein? 10 Stunden am Tag? Für uns ein grauenhafter Gedanke. Und ganz ehrlich: man merkte, der Kleine war absolut unausgelastet und einsam. Also: ein Kater-Kumpel sollte es sein, mit dem er ausgiebig raufen und schmusen konnte.

Lange gesucht, endlich gefunden: Kasimir. Der Tag seiner Anrkunft rückte näher und somit auch die Frage: wie bringen wir die beiden zusammen? Im Internet geschaut. Leute befragt. Überall unterschiedliche Meinungen und Vorschläge erhalten. Na toll. Meine Devise: Immer auf den eigenen Bauch hören! Handhabe ich fast überall im Leben so und fahre (fast) immer gut damit.

Sie kennen Ihr Tier (oder Ihre Tiere) am besten. Generell finde ich schon, dass man die Tiere NICHT sofort zusammensetzen sollte. Schon allein deswegen, weil ein Tier, besonders eine Katze (!), immer gestresst ist, wenn sie zu Ihnen kommt. Der Transport, die ungewohnte Umgebung, die unbekannten Menschen… das alles stresst. Und wenn jemand Fremdes Ihnen gestresst gegenüber tritt und sie angiftet, wie würden sie reagieren? Wahrscheinlich auch nicht so besonders nett. Solch eine Hauruck-Aktion würde gründlich in die Hose gehen, das hatte ich einfach im Gefühl.

Wir suchten uns also einen der kleinsten Räume der Wohnung aus, durch den man nicht ständig hindurchlaufen musste (Küche) und bauten eine Gittertür, um die zwei Kater anfangs getrennt zu halten, aber so, dass sie sich beschnuppern konnten. (Die Gittertür war ganz simpel, sehr billig und man brauchte kein Handwerker zu sein, um sie zu bauen. Auf Wunsch kann ich die Anleitung gerne einfügen.) Dann verbarrikadierte ich mich mit dem Neuankömmling in diesem Raum, um ihn erst einmal ankommen und mich kennenlernen zu lassen. Hausherr Leopold hatte unterdessen fast noch immer die ganze Wohnung für sich als sein Revier. Die ersten Stunden gab es furchtbaren Zoff am Gitter. Aber: nur von Leopold aus. Da wurde gefaucht, gebuckelt und geknurrt, was das Zeug hielt. Und ich war wirklich froh um die Gittertür.

Nach der ersten Nacht, die ich mit Kasimir in der Küche verbracht hatte, erkletterte Leopold schon von außen das Gitter, um zu Kasimir zu kommen. Und wie klettert es sich mit Buckel und fauchender Weise? Eben! Gar nicht. Da wusste ich schon, das Poldi etwas relaxter sein musste als noch am Abend zuvor. Und das meine ich mit Bauchgefühl. So gut kennen SIE Ihr Tier, niemand sonst.

Als ich also die Tür aufmachte, gab es von Poldis Seite aus genau ein Mal ein Fauchen. Kasimir drehte sich weg und fing lieber an, die restliche Wohnung zu inspizieren. Und da war Leopold natürlich sofort dabei! Was macht der da? Wo will der hin? Schon waren sämtliche Rivalitäten vergessen. Nachmittags gab es die ersten freundlichen Raufereien und das wildeste Geschmuse. Und das ist bis heute so geblieben.

Also haben wir sie weder sofort zusammengelassen, wie uns manche geraten haben, noch strikt zwei Tage getrennt und die Katzenklos vertauscht, wie es andere rieten. Wenn Sie Ihr Tier gut kennen, werden Sie das genauso gut hinbekommen. Das zweite Tier sollte nur schon von vornherein von der Tierschutzorganisation oder dem Tierheim als besonders gesellig und kameradschaftlich beschrieben werden. Dann klappt die Vergesellschaftung sicherlich.

beide_klein

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