Auch diese Katzen hätten gerne eine Chance

Schwarze Katzen, kranke oder Tiere mit Makeln… sie alle haben es nicht leicht und sind nur sehr schwer vermittelbar. Ich selbst kann überhaupt nicht nachvollziehen warum. Unsere Kater sind beide „gezeichnet“. Leopold ist auf einem Auge blind, was man auch relativ deutlich sehen kann. Kasimir hatte ein offenes Bein, eine gerissene Achillessehne und wäre fast verblutet; nach der Bein-OP humpelte er dann. Zudem hat er einen kurzen Stummel-Schwanz, der offensichtlich auch einmal gebrochen war, denn er ist geknickt. Also würden beide keinen Schönheitswettbewerb gewinnen. Aber wir finden sie wunderschön. Und vor allem: sie sind die dankbarsten Wesen überhaupt. Und trotz ihrer Behinderungen ausgezeichnete Jäger. Leopold fängt ungeachtet seines blinden Auges jede noch so kleine Fliege oder Spinne und Kasimir schafft es mit einem hohen Sprung und einer Rolle vorwärts einen Falter im Flug zu fangen. Was will man mehr?

Bitte machen Sie sich also frei von altertümlichen Vorurteilen, Ammenmärchen und Aberglauben. Schwarze Katzen bringen ganz sicher kein Unglück, sondern im Gegenteil das größte Glücksgefühl, wenn man sie in der Sonne sitzen sieht und das schwarze Fell seidig glänzt. Dann sehen sie aus wie ägyptische Tempelkatzen und sind an Erhabenheit und Schönheit kaum zu übertreffen. Und jede reinrassige, „makellose“ Katze kann ebenso krank werden. Die teure Zucht-Katze einer Bekannten bekam Diabetes und musste fortan jeden Tag ihre Spritzen bekommen. Ein riesiger Aufwand, natürlich auch finanziell. Adel schützt eben vor Krankheit nicht. Im Gegenteil. Durch Überzüchtung, weil die meisten Züchter eben an nichts anderem als dem Gewinn interessiert sind, sind die meisten Rasse-Katzen und -Hunde genetisch vorbelastet und die typischen Zucht-Krankheiten vorprogrammiert. Sie finden heute fast keinen Schäferhund mehr, der nicht mit ein paar Lebensjahren einknickt und die Treppen nicht mehr laufen kann. Hüftdysplasie! Viele können nicht einmal im gesunden Zustand mehr richtig laufen, weil das Hinterteil künstlich nach unten gezüchtet wird, nur, weil der Mensch es schöner findet. Und dann darf das edle Tier von seinem Besitzer getragen werden! Ich finde das einfach nur pervers! Da lassen Menschen tausende von Euros auf dem Tisch liegen, um sich ein krankes Status-Sysmbol mit nach Hause zu nehmen. Wäre dieses krank gezüchtete Tier ein fehlerhaftes Auto, würde die Serie umgehend eingestellt und niemand würde es mehr kaufen. Aber bei Lebewesen?! Da macht man munter weiter und quält die armen Tiere unter dem Deckmantel des guten Stammbaums.

Bitte geben Sie also auch „rasselosen“ und behinderten oder sonstwie kranken Tieren eine Chance. Sie werden es Ihnen danken. Und Sie werden die größte Freude haben, wenn sie sehen, wieviel Lebensfreude sie den Tieren schenken. Man merkt nämlich sehr deutlich, dass es den Tieren besser geht, wenn sie ein schönes Heim gefunden haben und jemanden, der sich kümmert und sie liebt. Und wenn eine dreibeinige Katze oder ein dreibeiniger Hund genauso herumtobt mit seinen Spielkameraden wie ein „normaler“ Vierbeiner, dann sehen Sie, dass es kaum einen Unterschied macht. Aber es zeigt, wie groß Ihr Herz ist und dass Sie etwas Gutes tun. Das ist ein tolles Gefühl. Sowohl allein Zuhause, wenn man mit dem Tierchen auf dem Sofa liegt und schmust, also auch draußen in der Welt, weil man eben weiß, dass man – im Gegensatz zu vielen anderen Menschen – nicht nur auf Äußerlichkeiten achtet.

Kasimir auf der Heizung

 

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