Angst vor Krankheiten

„Ich möchte ein gesundes Tier haben, deswegen hole ich mir lieber keins aus dem Ausland.“

Kommt Ihnen das bekannt vor? Viele Leute haben die Bedenken, dass sie sich ein krankes Tier ins Haus holen, nur, weil es aus dem Ausland kommt. Fakt ist aber: Es gibt strikte Regeln und Voraussetzungen, was die Einfuhr von Tieren aus dem Ausland betrifft. Diese Tiere müssen generell gesund und geimpft sein, sonst dürfen sie gar nicht erst einreisen. Es gibt einfach ein viel zu großes Risiko, Seuchen und ähnliches ins Land zu befördern. Bestimmte Impfungen müssen beispielsweise mindestens drei Wochen vor der Einreise getätigt worden sein, damit er Impfschutz bereits in vollem Umfang gegeben ist, wenn das Tier über die deutsche Grenze kommt. Auch deutsche Tierheime kümmern sich meist gut um die Gesundheit ihrer Schützlinge, aber man muss einfach wissen, dass es bei Tieren, die im Inland geboren werden, weniger strenge Regeln gibt.

Haben Sie also keine Angst, die Tierschutzorganisationen machen grundsätzlich ehrliche Angaben, was die Gesundheit der Tiere angeht. „Warum sollten sie“, denken Sie sich? Ganz einfach: die Organisationen versichern Ihnen (nein, machen es sogar zur Bedingung!), dass sie die Tiere wieder „zurück nehmen“ und versuchen, ein neues Zuhause für die Kleinen zu finden, wenn etwas gar nicht stimmt oder nicht passt. Die meisten Leute, die sich im Tierschutz engagieren, machen dies ehrenamtlich neben ihrer Arbeit und während ihres Alltags. Niemand hat also Interesse oder Zeit, Ihnen etwas vorzumachen. Denn im Endeffekt würde sich die Organisation / das Tierheim ein Eigentor schießen, wenn Sie wegen einer Lüge wieder auf der Matte stehen würden.

Natürlich gibt es bei den Tieren aus dem Ausland AUCH kranke oder behinderte. Wir selbst haben uns genau zwei solche „Krüppelchen“ herausgesucht, weil diese natürlich weniger Chancen haben als andere. Einer unserer Kater ist auf einem Auge blind, der andere hat einen „unschönen“ kurzen, geknickten Stummel-Schwanz und ein kaputtes Beinchen. Und beide sind die schönsten, süßesten, anschmiegsamsten und dankbarsten Kater, die man sich vorstellen kann! So unkompliziert, kein bisschen „zickig“ oder kratzbürstig. Als ob sie eben wüssten, dass das Leben zu kostbar ist, um es mit solchen Unwichtigkeiten zu vergeuden 😉 Aber ja, das ist natürlich reine Interpretation von Besitzern, die ihre Viecher eben einfach lieben.

WENN Sie aber feststellen sollten, dass Ihr Tier, kaum, dass es angekommen ist, anfängt zu niesen oder zu husten, vielleicht sogar Fieber bekommt: Gehen Sie nicht direkt auf die Leute los, von denen Sie das Tier bekommen haben und unterstellen, ein krankes Tier erhalten zu haben. Leopold hat auch einen Schnupfen bekommen, kurz, nachdem er bei uns war. Kasimir nicht. Es ist der Stress, der das bei manchen Tieren auslösen kann und mit dem jedes Tier anders umgeht. Dass Leopold einfach empfindlicher ist, merkten wir, als wir umziehen wollten. Kaum fingen wir an, Kisten zu packen, wurde er wieder krank. Aber das ist alles behandelbar und sehr gut in den Griff zu bekommen.

Stellen Sie sich bitte einmal vor, was die Tiere alles durchmachen, bevor Sie bei Ihnen ein neues, gemütliches und liebevolles Zuhause bekommen. Sie werden eingefangen, abgegeben oder ausgesetzt (im schlimmsten Fall über die Mauer geworfen), dann werden sie von wildfremden Leute untersucht, zum Arzt geschleppt und dann in einen Käfig mit unzähligen fremden Artgenossen gesperrt. Etwas später werden sie, falls nicht schon geschehen, kastriert (was übrigens – und das ist jetzt nichts für schwache Männer – in Spanien zum Beispiel bedeutet, dass den kleinen Katzen die Hoden abgebunden werden!!!) und geimpft. Dann wieder in den Käfig. Wieder zum Tierarzt. Wieder in den Käfig und – wenn sie Glück haben – in eine Box und zu den neuen Besitzern verschifft. Per Transporter oder Flugzeug. Wenn Sie, wir wir, ein Herz für Krüppelchen haben, dann wurde Ihr Tier vielleicht vorher bereits operiert. Und das alles in einem (meist) jungen und kurzen Katzen- oder Hundeleben. Als Mensch kann man sich kaum vorstellen, was für ein Stress das sein muss. „Die werden doch versorgt, man kümmert sich medizinisch um die Tiere und sie bekommen ein neues Zuhause. Da sollten die Viecher doch nicht gestresst sein.“ Bitte bedenken Sie, dass die Tiere all das nicht wissen. Sie wissen nicht, dass der Tierarzt sie aufpäppelt und nicht umbringt. Sie wissen nicht, dass die Spritzen ihrer Gesundheit dienen; sie tun einfach nur furchtbar weh. Und sie wissen auch nicht, wenn sie eingesperrt werden und auf die Reise gehen, dass sie bei (hoffentlich) liebevollen Menschen landen, die ihnen auf Dauer Schutz und Geborgenheit bieten werden. Stattdessen fürchten die armen Tiere die ganze Zeit einfach nur um ihr Leben!

Lassen Sie Ihren Tieren also einfach Zeit, anzukommen. Sollten die lieben Vierbeiner eine Stress-Krankheit entwickeln, verabreichen Sie ihnen zusätzlich zu den Medikamenten vom Tierarzt Bachblüten oder Globuli gegen Stress, stecken Sie Feliway in die Steckdose bei Ihnen Zuhause (das hilft wirklich!) und bieten Sie jedem Tier genügend Rückzugsmöglichkeiten, wo auch die Kinder nicht herankommen und an dem eh schon gestressten Tier aus lauter Freude herumzerren. Sie meinen es nicht böse und können sich natürlich nur schwer gedulden, wenn ein pelziger Mitbewohner einzieht, aber auch das gehört zur Erziehung und zum Leben mit Tieren dazu. Geduld. Und das Tier braucht erst einmal Ruhe. Es wird früh genug den Kontakt suchen und sich ankuscheln, wenn es erst einmal merkt, dass die Welt aufgehört hat, sich wie verrückt zu drehen und dass es nun einen Platz hat, an dem es ankommen kann.

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